4.16. Nosokomoniale Infektionen#
Sind im KH erworben.
- Häufigsten
VAP, Katheter assozierter Harnwegsinfekt, Katheter assoziierte Bakteriämien/Fungämien = hohe Liegedauer, hohe Kosten, hohe Letalität.
Infektion abhängig von Disposition des Patienten (Vorerkrankungen, Immunsystem) und Exposition (Kolonisation von potentiell pathogenen Erregern) Bei Va. Infektion (Fieber, erhöhte EZP, Eintrübung ZNS,…) BK vor AB-Gabe (früh, breit, hoch), Herdsuche (C/P, CT, Sono),…siehe SIRS
4.16.1. katheterassoziierter Harnwegsinfekt#
- Klinik
Fieber, Dysurie, Bakteriämie,…
- Keimnachweis
>105 koloniebildende Einheiten KBE/ml Urin + max. 2 verschiedene Keime ODER >103 bei positivem Nitrit/Leukos im Harn Einwanderung über Außenseite des HK, beim Ablassen verunreinigen durch Darmkeime durchs Personal.
- Therapie
HK-Wechsel (in 30-50% spontane Sanierung) ev. AB
4.16.2. Postoperative Wundinfektionen#
Risiko ist hohes Alter, > 3 ASA, lange OP, Wundkontaminations-Klasse (sauber – schmutzig), va. bei abdominellen Eingriffen mit Darmeröffnung.
- Erreger
Staph. aureus, Staph. epideridis koag. neg., Enterokokken, E. coli, P.aeruginosa, Klebsiellen
Meist am 3-8 postoperativem Tag: eitrige Sekretion aus der Wunde/Drainagen, Abszess, Keimnachweis im Abstrich, Rötung/Schwellung/Hitze/Schmerz
- Therapie
chir. Revision (Nekrosektomie, Beläge entfernen, Spülung, Drainage), AB nach Antibiogramm.
- Prävention
perioperative AB-Prophylaxe, asept. Operation, vermeidung exogener Kontaminationsquellen (Rasur erst unmittelbar vor OP), Unverzüglich VW bei Va. Infektion, Durchnässung, asept. Entfernung von Nahtmaterial, Drain so rasch wie möglich ex.
4.16.3. Gefäßkatheter assoziierte Infekte (90% ZVK)#
- Keimnachweis
Katheterspitze, DTP > 2 h diff., mehr Wachstum als periphere Blutprobe 5:1, gleicher Keim in BK und am Katheter!
- Therapie
ZVK-Wechsel führt oft zu Entfieberung innerhalb weniger Stunden.
- Häufige Erreger
Staphylokokken, Enterokokken, Enterobacter, P. aeruginosa, Candida
4.16.4. Clostridium difficile assoziierte Diarrhöe und Colitis#
= gram. Positiv, anaerob, sporenbildende Stäbchen, bildet Enterotoxin A und Zytotoxin B
Bei 95% der pseudomembranöse Kolitis ursächlich… Übertragung durch Stuhl, Hände, Toiletten, Telefon,…
- Risikofaktoren
AB-Therapie, Immunsupression, OP, ISV-Aufenthalt, kritisch Kranke, hohes Alter
- Klinik
abdominelle Schmerzen mit wässriger Diarrhöe, Hypotonie, Oligourie, Hypoproteinämie, bis tox. Megakolon mit Perforation möglich, Leukozytose, Kreatininerhöhung, vermindertes Albumin, typisch bei Patienten > 70Lj.
- Diagnose
typische Klinik und Stuhlkultur mit Erregernachweis, Nachweis von Toxin A und B mit ELISA (da niedrige Sensitivität, WH), Endoskopie wg. Perforationsgefahr nicht empfohlen.
- Therapie
AB absetzen, eine antimikrobielle Therapie nur bei gesicherter Clostridium DifficileInfektion.
Metronidazol 3 x tgl 500 mg p.o. für 10-14 Tage, bei schwerem Verlauf Vancomycin p.o. , Elektrolyt und Flüssigkeitsausgleich. (Ev. Teicoplanin/Targocid po)
- Prävention
Restriktiver AB-Einsatz, Hygienemaßnahmen (Handschuhe/Kittel/Einzelzimmer), Sporen sind alkoholresistent, daher Hände mit Wasser und Seife reinigen.
4.16.5. MRSA#
Methicillinresistente Staphylokokken über Hände d. Personals übertragen.
- Maßnahmen
Händedesinfektion, Handschuhe, Kittel, Isolierzimmer, Wäsche gesondert entsorgen, Transporte minimieren (davor frische Kleidung und Bettwäsche und Gesichtsmaske)
- Eradikationstherapie
1 x tgl. Waschung mit antiseptischer Lösung für 7-10 Tage, tgl. Wäschewechsel, Mupirocin Nasensalbe.
3 neg. Abstriche für Entwarnung nötig.
- AB
Cotrimoxazol (Bactrim), Daptomycin (Cubicin), Vancomycin, Linezolid (Zyvoxid)
4.16.6. ESBL#
Extendet spectrum Betalactamase Bildner: inaktiviert Penicilline, Cephalosporine, Monobactame; kann E.coli, Enterobacter oder Klebsillen sein. Isolation und Hygienemaßnahmen. Keine Sanierung wie bei MRSA möglich.
- AB
Avelox, Bactrim, Ciproxin, Doribax, Fosfomycin, Motrim, Optinem, Tavanic, Zienam. (Carbapeneme, Tetracycline)
4.16.7. Invasive Pilzinfektionen#
Empirische/kalkulierte Therapie (Risikofaktoren), Präemptive Therapie (Galaktomannan, 1,3 -DGlukan), gezielte Therpie bei Pilz Nachweis.
- Pilze
Candida, Aspergillus, Zygomyceten
- Empfohlene Untersuchungen
Kultur, PCR, Antigenbestimmung, Augenarztuntersuchung.
- EORTC Kriterien für Pilzinfektion
Mögliche: 1 Risikofaktor + Klinischer Faktor
Wahrscheinliche: Risikof.+Klinischer Faktor+mikrobiol. Faktor
Gesicherte: positive Kultur, histopatholog. Invasivitätsnachweis im sterilen Material
Va. Hämato/onkologischer Patient, ICU-Patient, Immunsuppremierte Pat. (Transplant,…)
- 1,3 Beta D-Glucan Test
negative prädektiver Wert, kann mit 95% Sicherheit eine Pilzinfektion ausschließen!
Ev. PCT-Erhöhung bei invasiven Pilzinfektionen (keine gesicherten Daten)
- Antimykotika
Echinocandine: Caspofungin, Micafungin bei Candida Inf.
Azole: Voriconazol, Fluconazol/Diflucan bei Candida +Aspergillus
Amphotericin B: Lip AmphoB bei Candida+Aspergillus+Zygomyceten
Toxizität: Echinocandine < Azole < Amphotericin B
Invasive Candidainfektionen#
- Risikofaktoren
AB-Therapie, Invasive Devices, gastrointest. OP, Verbrennung, Immundepression
- Quellen
intravasale Katheter, Wundbereich, Urogenitaltrakt
- Candida Sepsis
Nachweis von Candida Supp. in der BK oder in der Peritonealflüssigkeit
- Harntrakt
Bei Candida im Harn handelt es sich meist um eine Besiedelung (Klinik? Labor?). Bei Candida Zystitis lokale Blasenspülungen und DK-Wechsel, da Echinocandine nicht im Harntrakt wirken!
- Endocarditis
immer OP, Amphotericin B + Fluconazol + eventuell Caspofungin
- Endophthalmitis Auge
keine Echinocandine möglich, da sie nicht ins Auge penetrieren.
Fluoconazol od. Amphotericin B.
Cave: jeder Pat. mit Candiämie muss auf Endophalmitis untersucht werden!
- Meningitis
Fluconazol, Variconazol
- ZVK assoziierte Fungämie
ZVK Entfernen! , für mindestens 14 Tage über die letze positive BK hinaus Antimykotika!
Therapie bei Candidämie:#
Echinocandine = Anidulafungin/Ecalta, Micafungin/Mycamine (ausgenommen bei Endoophthalmitis, hier sofort Fluoconazol/Diflucan)
Azole = Voriconazol/Vfend, Fluoconazol/Diflucan
Aspergillose#
Va. Bei COPD IV! Pulmonale Infektion: Voriconazol, Ampho B
Zerebral oder intraokulär (Trübung der vorderen Augenkammer, Punktion durch den Augenarzt mit Kultur!): Voriconazol, Ampho B
Peritonitis bei Peritonealkatheter: Voriconazol, Ampho B
Zygomykosen#
Va. Bei COPD IV, Eisenüberladung, hämatologischen Neoplasien (CLL,…)
- Therapie
Posaconazol, lipid assoz. Ampho B (Ambisome)