4.14. ARDS#
Oxygenierungsstörung Berlin Definition: mild OI 200-300 moderat OI 100-200 servere OI<100 bei PEEP 5
Akuter Beginn: 7 Tage nach def. Ereignis (onset of ARDS)
Linksherzversagen mit ECHO oder PCWP < 18 mm Hg ausgeschlossen
Früher: C/P bilaterale Verschattung bei unverändertem Herzen und keinen Pleuraergüssen
- Ursachen
am häufigsten: SIRS, SEPSIS, TRALI und Polytrauma; weiters Infektion, Kontusion, Aspiration, tox. Inhalation.
- DD
kardiales Lungenödem, Pneumonie, „Amiodaron Lunge“
- Pathomechanismus
inflammatorische Reaktion der Lunge (Zytokinausschüttung: IL 1, IL6, TNFα, µINF) mit capill. Leak/Ödem + gestörte Surfactantproduktion und Funktion mit Mehrkompartmentmodell der Lunge: Basal/abhängend Atelektasen – Mitte kleine gesunde Lunge – apikal/ventral überblähte Lunge.
In weiterer Folge struktureller Umbau mit Fibrosierung, dissem. Verlegung der Kapillaren mit pulmonaler Hypertonie und Rechtsherzbelastung, Intrapulm.
Re-Li-Shunt mit „sauerstoffrefraktärer Zyanose“.
- Leitsymptom
Dyspnoe und Tachypnoe mit Hypoxämie (Hyperventilation mit verm. paCO₂ und Azidose)
Therapieziel = adäquate Oxygenierung, keine weiteren Lungenschäden verursachen, Reduktion des extravaskulären Lungenwassers, Reduktion systemischer Entzündungsreaktionen!
- Beatmung
Baby-lung-concept + Lungenprotektion hat Vorrang vor CO₂-Elimination: VT 5-6ml/kg, PEEP > UIP, Endexpiratorische Plateaudruck < OIP z.B. BIPAP mit erhaltener Spontanatmung, damit die physiologische Verteilung des Atemgases zu den basalen Lungenabschnitten erhalten bleibt und das Ventilations/Perfusionsverhältnis physioloisch bleibt. Bessere Atemmechanik und Hämodynamik. Ein hoher PEEP und IRV ist auch bei Spontanatemmodus möglich! Weniger Sedierung und keine Relaxierung!
PEEP mindestens 10-12!
Die meisten Schäden bilden sich in der ersten Woche. High volume injury > OIP durch Baro/Volutrauma und low volume injury < UIP durch Atelektasenbildung
Ziel: Verbesserung der Oxygenierung! Dokumentation der BGA + vermerktem endexpiratorischen CO₂ für den Trend!
- PEEP-Einstellung
2-4 über dem UIP
Nach Tabelle fixen Kombination mit FIO₂ (high PEEP Tabelle)
Nach maximalen paO₂ und minimalem paCO₂ mit schrittweiser PEEP-Erhöhung und BGA
Inital führt eine PEEP-Erhöhung vorallem zu einem erhöhten Atemwegsdruck. Die Rekrutierung erfolgt erst nach Minuten bis 2 Stunden!
- Permessive Hyperkapnie
oft paCO₂ erhöht, limitierend ist pH mit Zielgröße > 7,2 (bis dahin durch Rechtsverschiebung Vorteil der leichteren O₂-Abgabe ans Gewebe) Unerwünschte Folgen der Azidose sind verminderte Myokardkontraktion (calciumantagon. Effekt der Azidose), vermehrt Herzrhythmusstörungen, Hyperkaliämie. Keine Pufferung mit NaBiC (CO₂ kann nicht abgeatmet werden!)
KI der PHC: Rechtsherzinsuffizienz, Katecholaminpflichtige MI, SHT mit erhöhtem ICP, IRV > 1:1 um Kontaktzeit zu verlängern (verkürzt jedoch auch Expirationszeit mit CO₂ Abatmung)
NO-Inhalativ, Prostazyklin (Flolan)
- Kreislaufmanagement
ausgeglichene Bilanz um ein weiteres Lungenödem zu vermeiden (neg. Bilanz, Diurese fördern, ev. HF), jedoch Hypotonie und MOF vermeiden!
Ev. Pulmonalisdruck senken (NO wirkt Rechtsherzversagen entgegen)
- Lagerungstherapie
Seitenlagerung und Bauchlagerung
- AB
z.B. Augmentin und Klacid (atyp.Keime)
KH arme Ernährung (vermind. CO₂ Prod.) und Omega-3-FS reich (immunmodul.)
Extrakorporale CO₂-Eliminationsverfahren (ECMO, ILA) bei unbeherrschbarer Hyperkapnie, Azidose
Medikamente: Ketoconazol und Glucocortikoide werden nicht mehr empfohlen.
Ev. Antioxianzien (Selen, N-Acetylcystein), Mucosolvan (Ambroxol) soll Surfactantproduktion positiv beeinflussen.
- Voraussetzung für Messung des UIP und OIP
Pat. relaxiert, abgesaugt, System dicht, VCV
Bestimmung des UIP:
PEEP-Steigerung in 2 mbar Schritten bis mind. 14 nach immer 5 bis 10 Atemzügen
Compliance = VT/Plateaudruck minus PEEP aufschreiben, das PEEP-Niveau mit der besten Compliance ist der UIP (normal 1,5ml/mbar/kg, ca. 100, bei ARDS oft 20-30)
Bestimmung des OIP:
Umstellen auf PCV mit PEEP über UIP
Reduzieren des Plateaudrucks in 2mbar Schritten nach 5-10 Atemzügen und Compliance berechnen, solange bis keine weitere Verbesserung der Compliance erreicht werden kann ODER VT kleiner als 6ml/kg wäre.
- Rekruitmentmanöver
Pat. ist tief sediert, ev. relaxiert ohne Eigenatmung, endotracheal abgesaugt.
OPEN LUNG AND KEEP IT OPEN!
Nach Lachmann: PCV mit 50-60 Plateaudruck und > 20 PEEP für 5-15 Atemzüge mit anschließendem decremental/absteigendem PEEP TRIAL für UIP
CPAP-Rekr.: Kontinuierliche Blähung mit 40-60mbar für 20-30 sec. (bevorzugtes Manöver)
Intermitt. Seufzer: 3 Atemzüge mit 45mbar/min
Verlängerte Seufzer: stufenweise Steigerung bis auf 40mbar + PEEP bis 30mbar für mehrere Minuten
- Komplikationen
Blutdruckabfall mit akuter Rechtsherzbelastung, Bradykardie, SaO₂-Abfall, ICPAnstieg, Pneumothorax Effektivitätskriterien: paO₂ steigt, paCO₂ sinkt, Compliance besser
- KI
Pneu, Schock, Hypovolämie, Emphysem, unilat. ARDS, St.p. LungenTX, RDS des Früh/Ng, ICP erhöht.
- Intrapulmonaler RE-LI-Shunt
korreliert mit Hypoxämie, abh. von HPV und HZV; paO₂ fällt linear ab, bei Shuntvolumen > 35% kann der paO₂ nicht mehr durch eine Steigerung des FIO₂ verbessert werden. Test: FIO₂ um 20% steigern = paO₂ bleibt unverändert bei Shunt!
Der paCO₂ steigt erst bei einem Shuntvolumen > 60% und ist oft durch kompensatorische Hyperventilation sogar erniedrigt. Das Shuntausmaß ist abhängig von der Effektivität der HPV.
- HPV = hypoxisch pumonale Vasokonstriktion
aufgrund des Euler-Liljestrand-Mechanismus kommt es bei einer regionalen alveolären Hypoventilation mit vermind. O₂ zu einer reflektorischen Vasokonstriktion. Eine Verminderte HPV erreicht man durch: NO inhalativ, Prostazyklin, volatile Anästhetika, Opioide, Hyperventilation mit Hypokapnie.
- SCORING
SAPS: simplified acute physiology Score = zur Prognosebeurteilung innerhalb der ersten 24 h auf einer Intensivstation. Nicht berücksichtigt sind: <18Lj, Verbrennungspatienten, KHK-Pat, kardiochirurgische Patienten.
APACHE II: outcome Score: Alter, Vorerkrankungen, Vitalparameter, ph, BGA, Labor werden erfasst.