4.9. Propofol-Infusionssyndrom#
1% Propofol ist zugelassen für Narkose > 1Monat, und Sedierung IBS >16Lj
2% Propofol für Narkose > 3 Jahre, Sedierung IBS > 16Lj
- Ursache
Störung der Fettsäureoxydation durch Entkoppelung der Atmungskette mit mangelnder Bereitstellung von ATP, mit Zelluntergang bei erhöhtem Energiebedarf = Muskelzellnekrosen mit Laktatazidose.
Letalität bis 85%
- Risikofaktoren
Hochdosierte (> 5mg/kg/h) Langzeitsedierung (>48h), TIVA mit Propofol > 5h, Kinder und Säuglinge, respiratorischer Infekt, Polytrauma, SHT, unzureichende Glukosezufuhr bei kataboler Stoffwechsellage, Gabe von Katecholaminen (Blockieren den Verschluß der Ca-Kanäle und bewirken eine direkte Muskelzellschädigung), und Glukokortikoiden mit Muskelzellschädigung bei chronische Einnahme.
- Klinik
Herz-Kreislauf-Störungen: therapierefraktäre Bradykardie bis Asystolie, besonders bei Kindern, bei Erwachsenen eher VT und Kammerflimmern. Hypotonie durch vermindertes Preload und Sympatikolyse.
Metabolische Azidose mit Laktatanstieg als Frühmarker bei 90%! Negativer BE >10
Rhabdomyolyse mit CK-Erhöhung
Lebervergrößerung/steatose mit Transaminasenanstieg, Hypertriglyzeridämie(Frühzeichen?)
CRUSH-Niere (progred. NV durch Rhabdomyolyse und Minderperfusion) mit Myoglobinurie
- Therapie
Sofortige Beendigung der Propofolzufuhr
Umstellung der Sedierung auf z.B. Midazolam
Azidosekorrektur
Volumengabe + Katecholamine
Passagerer SM
Hämofiltration/dialyse: Elimination von Propofol und tox. Metaboliten, besonders bei Hyperkaliämie und Überwässerung bei ANV
Hochkalorische Ernährung in Form von KH
- Prävention
Keine Langzeitsedierung Schwerkranker über 48 h mit Propofol in höherer Dosis (>46mg/kg/h)
Maximal 7 Tage Langzeitsedierung für alle Patienten mit max. 4mg/kg/h
Keine Langzeitsedierung von Kindern unter 17 Jahren.
Regelmäßige Laborkontrollen
Ev. Präventive Gabe von Glukose
- Propofol
In Eiphospatid und Sojaöl gelöst! (Fettzufuhr: 1 ml 1% = 0,1 g Fett!) Stimuliert GABARezeptor und damit Freisetzung von Glutamat, sowie den Natriumkanal-abhängigen Natriumeinstrom in die Zelle. Wird in der Leber konjungiert und zu 88% über die Niere ausgeschieden. Ausgeprägter Firstpass-Effekt in der Lunge. Wirkdauer 4-6min, HWZ 55 min (2% länger! Größeres Verteilungsvolumen), Bronchodilatatorisch ab 2,5mg/kg, Antiemetisch (unspezifische Wirkung auf 5HT3-Rezeptor und verminderte Serotoninfreisetzung im ZNS)
Narkoseinduktion: Erw. 1,5-2,5mg/kg, Kind < 8Lj 2,5-4mg/kg, Kind > 8Lj 2,5mg/kg
NW: Atemdepressiv, Hypotonie durch Vasodilatation, Injektionschmerz (+Lidocain bei Kindern 1:10), Myoklonien, EEG-Veränderungen, Leberverfettung, Pankreatitis.
CAVE: Fettstoffwechselstörungen!